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Viele Facetten sinfonischer Blasmusik

Stadtkapelle begeisterte unter Dirigentin Christine Huppmann - Bläserklasse stellte sich vor

HAMMELBURG. Vom Besucheransturm regelrecht überrannt wurde die Stadtkapelle Hammelburg bei ihrem Frühjahrskonzert in der Aula des Frobenius-Gymnasiums. Schnell musste im Konzertsaal noch nachbestuhlt werden. Mit einem reichhaltigen Programm aus vielen Publikumsfavoriten und kleinen Überraschungen erfüllte die Stadtkapelle alle Erwartungen.


Frischer Wind weht seit Beginn dieses Jahres in der Organisation des alteingesessenen Hämmelburger Musikvereins: der Vorstand wurde neu besetzt und das Sinfonische Blasorchester hat mit Christine Huppmann eine neue Dirigentin. Vorstandsmitglied Tatjana Mangold sagte in ihrer Begrüßung, dass man dankbar und mit Achtung auf dem aufbaue, was vorausgegangen war. Das Motto für die Zukunft sollte sein: „Mut zu Veränderungen und Danke unseren Wegbereitern."
Vielversprechender Nachwuchs
Das Jugendorchester eröffnete den Abend mit einem schnittigen Marsch („El Tambor Ma-yor"). Den Taktstock führte ausnahmsweise Christine Huppmann, da Michael Bergmann, der die Stücke einstudiert hat, durch eine Fortbildung verhindert war. Er wird allerdings das Jugendorchester auch abgeben. Neuer Dirigent wird Andreas Becker, der in der Stadtkapelle als Registerführer Trompete fungiert und außerdem die Untererthaler Musikanten leitet.
Mit „Eighties Gold", einem Medley aus Filmmusik und dem berühmten „Thriller" von Michaeljackson begeisterte die Jugendkapelle die Musikfreunde. Jungmusikantin Antonia Jopp führte als „Musiklehrerin" durch das Programm und vermittelte interessante Details zu den Stücken und ihren Urhebern. Mit dem glänzenden „Fiesta" von Fritz Neuböck verabschiedete sich das gut eingespielte Jugendorchester.
Leo Bremer ist neun Jahre alt und spielt seit September bei den Jüngsten in der Stadtkapelle die Tuba. Am Samstag hatt die neu gegründete Bläserklase 2009/10 ihren ersten großen Auftritt. Foto: SchormayerDie Bläserklasse...
Die heimlichen Stars des Abends waren die Kleinsten - die Mädchen und Jungen der erst im September gegründeten neuen Bläserklasse, in der sie ab sieben Jahren mitmachen können. Jürgen Kunkel stellte seine „Bandmitglieder" einzeln vor und sagte das Programm an. Dass man nach so kurzer Zeit ein Instrument lernen und so tolle Stücke spielen kann, beeindruckte sogar zwei ältere Geschwister von Bläserklasse-Kindern, erzählte Jürgen Kunkel. Auf diese Weise kam die Bläserklasse doch noch zu ihrer nötigen Mitgliederzahl, denn genau zwei Teilnehmer fehlten noch.
Mit viel Spaß, Fingerfertigkeit und Musikalität stellten die Jüngsten ihr Repertoire vor, das mit sechs Stücken von „Old MacDonald had a Band" (nein, Farm) über „When the Saints go Marching in" bis zur „Ode an die Freude" reichte. Auch das Zugabe-Spielen wurde an diesem Abend schon einmal nötig. Die Zuhörer spürten, dass es Dirigent Jürgen Kunkel auf unnachahmliche Art gelingt, Kinder zu begeistern, zu führen und zu fördern. Der Einzelunterricht im Hintergrund obliegt den Instrumentenlehrern - er soll auch nicht unerwähnt bleiben.
Beste Unterhaltung bot das sinfonische Blasorchester unter Leitung von Christine Huppmann beim Frühjahrskonzert der Stadtkapelle in der Aula des Frobenius-Gymnasiums. Foto: SchormayerOperettenmelodien
Das Herzstück des Gesamtprogramms war der Reigen aus Sinfonischer Musik und Unterhaltungsmelodien, den das Sinfonische Blasorchester unter der Leitung von Christine Huppmann präsentierte. Dass auch diese Musikfolge mit kundiger Moderation (Kerstin Golling) begleitet wurde, ist eine schöne Sitte. Bereits mit den Operettenmelodien von Lehar und Offenbach setzte das Orchester erste Glanzlichter. Die Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach lebt von romantischen Soli für Flöte und Klarinette, denen die Solistinnen perfekt Ausdruck verliehen. Temperamentvoll antwortete das Orchester mit dem nachfolgenden wilden Höllen-Cancan.

Gute Laune versprühten auch die Konzertmärsche, das rassige „Spanish Fever" und natürlich das Beatles-Medley, die „Nummer-Eins-Hits der vier Pilzköpfe in klassischer Orchesterbesetzung", wie Kerstin Golling ankündigte.
Große Gefühle...
Große Gefühle weckten das Medley aus „Miss Saigon", die Filmmusik „Highlights from Hook", die eine Peter-Pan-Geschichte beschreibt, und die sinfonische Komposition „Emotionen" von Kurt Gable. Christine Huppmann führte ihr Orchester zu einer berührenden Reise durch das Spannungsfeld der menschlichen Gefühlswelt, in der es Zeit zum Träumen und Wegdriften gab, aber auch packende dramatische Situationen. Alle Instrumente und Instrumentengruppen treten wechselnd hervor und vereinigen sich wieder auf kunstvolle Weise. Hier entstand auch ein schönes Abbild des musikalischen Könnens in der Stadtkapelle.
Großer Beifall belohnte den gelungenen Konzertabend, den die Musiker gerne noch mit zwei Zugaben verlängerten.


Christine Schormayer Saalezeitung vom 19.04.2010